Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) schafft Akzeptanz, Teilhabe und fördert Engagement.

BNE inspiriert, ermutigt und befähigt zur Teilhabe an den umgebenden ökonomischen, zivilgesellschaftlichen und politischen Gesellschaftsstrukturen, wirkt transformativ für eine nachhaltige Entwicklung, die erfolgreiche Umsetzung der globalen Nachhaltigkeitsziele (SDGs) und kann (re-)politisieren sowie (re-)demokratisieren.

 

  • BNE macht das Gute Leben für alle innerhalb der ökologischen und sozialen Leitplanken erlebbar.
  • BNE stärkt Kompetenzen und Handwerkszeug aller Lernenden und Lehrenden für die Umsetzung einer Nachhaltigen Entwicklung.
  • BNE ist als integraler Bestandteil in allen formalen und non-formalen Bildungsbereichen zu verankern. Hierzu sind Investitionen in den Ausbau einer zukunftsfähigen Bildungsinfrastruktur auf allen Ebenen des Lernens notwendig, um BNE langfristig auf hohem Niveau zu sichern.

 

Wir sehen eine Umweltbildung, die den Menschen als Teil seiner Mitwelt begreift und die Umgestaltung der Mensch-Natur Beziehung nach Leitprinzipien der Nachhaltigen Entwicklung zum Ziel hat, sowie eine Ausarbeitung von Konzepten alternativen Wirtschaftens als Aspekte der BNE.

Wie wollen wir Bildung zukünftig leben?
– Bildung für eine Nachhaltige Entwicklung

Wir sehen die Aufgabe der BNE in der Befähigung und Ermutigung der Menschen zur Teilhabe an den zukünftigen Transformationsprozessen und dem notwendigen Aufbau nachhaltiger Strukturen in der Region. BNE macht das Gute Leben *1 für alle innerhalb ökologischer und sozialer Leitplanken erlebbar. *2 Diese Leitplanken sind durch die planetaren Grenzen und die Menschenrechte vorgegeben. *3 BNE befähigt zur kritischen Auseinandersetzung mit umgebenden ökonomischen, zivilgesellschaftlichen und politischen Gesellschaftsstrukturen. Sie inspiriert, ermutigt und befähigt zur Einmischung in diese Strukturen, indem Kompetenzen und Handwerkszeug für die Entwicklung der notwendigen Lösungen für eine nachhaltige Entwicklung bei allen Lernenden und Lehrenden gestärkt werden. Sie geht in diesem Sinne über die reine Information und Bewusstseinsbildung hinaus, wirkt transformativ für eine nachhaltige Entwicklung, politisiert und trägt zur (Re-)Demokratisierung bei. *4

Da die Teilhabe aller Menschen für die Zukunft des Rheinischen Revieres von großer Bedeutung ist, sehen wir die Rolle der BNE darin, alle betroffenen Gruppen dazu zu befähigen, sich in einen gemeinsamen Austausch-, Reflexions- und Gestaltungsprozess zu begeben. Nach dem Kredo „Ohne Bildung für eine Nachhaltige Entwicklung ist ein Strukturwandel für die Menschen, durch die Menschen, nicht möglich“, sehen wir die Rolle der BNE als wegbereitend für eine gelingende Partizipation im Revier. *5

Um dieser Rolle gerecht zu werden, bedarf es der Stärkung der BNE im Rheinischen Revier und darüber hinaus. Im Rahmen des Konzeptes „Revierperspektiven Rheinland – gutes Leben und gute Arbeit“ *6 sehen wir die zu gehenden Schritte wie folgt:

1. Wir fordern, BNE als integralen Bestandteil in allen formalen, non-formalen und informellen Bildungsprozessen zu verankern. Hierzu sind Investitionen in den Ausbau einer zukunftsfähigen Bildungsinfrastruktur der Region notwendig, um BNE langfristig auf hohem Niveau zu sichern. Alle Ebenen des lebenslangen Lernens sollen dabei integriert werden.
(a) Es bedarf der Einrichtung einer Hochschule für Transformation/ Transformationsforschung / Transformative Forschung oder dem Ausbau / der Ausgliederungen bestehender Einrichtungen in diesem Sinne.

(b) Es bedarf der Neuausrichtung der beruflichen Bildung durch die Integration von BNE in die Curricula von Aus- und Fortbildungen sowie Umschulungen.

(c) Um die globalen Entwicklungsziele der Agenda 2030 der Vereinten Nationen und insbesondere die Umsetzung des „SDG 4 – Bildung“ zu erreichen, müssen Entscheidungsträger als Zielgruppe von BNE in allen Lernsituationen angesprochen werden. *7

(d) Es bedarf der Schaffung von vor Ort ansässigen Institutionen zur langfristigen Koordination der Transformation unter gleichberechtigter Einbeziehung aller an der Transformation beteiligten Akteure aus Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft.

2. Orte des Wandels und der Transformation *8 sollen für eine transformative BNE genutzt und besucht werden. An diesen Orten wird Lernen konkret, Mut zur Mitgestaltung entsteht. Sie sind zu fördern.

3. Bei diesem Um- und Aufbau der Bildungsinfrastrukturen soll der von der UNESCO im Weltaktionsprogramm BNE geforderte „Whole Institution Approach“ *9 ambitioniert umgesetzt werden. Institutionen, die sowohl ökologisch als auch sozial Vorreiter im Feld der Nachhaltigen Entwicklung sind, werden so zu glaubwürdigen Orten, die den Wandel erfolgreich vermitteln und leben.

4. Weiterhin fordern wir eine Umweltbildung, die den Menschen als Teil seiner Mitwelt begreift und die Umgestaltung der Mensch-Natur Beziehung nach Leitprinzipien der Nachhaltigen Entwicklung zum Ziel hat. *10

5. Die Forderung nach einer BNE sehen wir durch die Sustainable Development Goals *11 (SDGs) der Vereinten Nationen sowie durch das UNESCO-Programm „ESD for 2030“ *12 legitimiert. Die SDGs bilden eine Legitimation für und sind Grundlage von BNE. Gleichzeitig ist BNE die Grundlage für die erfolgreiche Umsetzung der SDGs.

6. Die Legitimität der Forderungen nach einer BNE, wie sie in diesem Konzept beschrieben ist, ergibt sich auch aus dem Abschlussbericht der Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“. So beschreibt dieser die aktive Einbindung der Menschen in die Veränderungsprozesse und die Aktivierung zivilgesellschaftlichen Engagements als Notwendigkeit um die Strukturentwicklung gemeinsam mit den Menschen gelingen zu lassen. *13 Da wir die in diesem Konzept formulierte BNE als Voraussetzung für eine ernstgemeinte Beteiligung sehen, geht demnach auch die Legitimität und Förderungsnotwendigkeit einer solchen aus dem Abschlussbericht der Kommission hervor.

7. Wir fordern bei der Umsetzung des durch die „Kommission für Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ *14 formulierten und durch die „Zukunftsagentur Rheinisches Revier“ *15 umzusetzenden Eckpunktes „Innovation und Bildung“, die in diesem Konzept formulierten Kriterien zu integrieren und anzuwenden.

Wir sehen den Handlungsspielraum des Einzelnen durch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen beeinflusst. Deswegen fordern wir über die BNE hinaus eine intensive Beschäftigung mit der aktuellen ökonomischen Logik, sowie ein Hinterfragen dieser. Darüber hinaus fordern wir die Ausarbeitung von Konzepten alternativen Wirtschaftens. Die Senkung des Energie- und Ressourcenverbrauches sollte gesellschaftliches und politisches Ziel werden.

8. Es gilt, die Kreislaufwirtschaft zu stärken

9. Es gilt, der Reparatur einen wesentlich höheren Stellenwert einzuräumen. *16

10. Güter sind zunehmend nach dem Prinzip der „Sharing Economy“ zu nutzen. So steht das Benutzen vor dem Besitzen und es kann maximaler Nutzen bei minimalem Ressourceneinsatz ermöglicht werden. *17

11. Es gilt, die Region als Wertschöpfungsraum zu begreifen, in der lokale, bzw. regionale Wirtschaftskreisläufe an Stelle von Wertschöpfungsketten gestärkt werden. So profitieren die Menschen vor Ort direkt von der Wertschöpfung ihrer Arbeit.

12. Es gilt, Unternehmensgründungen des sozial-ökologischen und solidarischen Wirtschaftens (Social- und Ecopreneure, Genossenschaften, Kollektive), bzw. die Ausrichtung von Unternehmen nach Prinzipien wie der Gemeinwohlökonomie oder anderen nachhaltigen Bewertungsansätzen zu fördern.

13. Klassische und alternative Wirtschaftsbildung sind notwendig, um eine differenzierte Einbettung eigener Handlungen in den gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang zu ermöglichen. Sie dienen als Grundlage für die geforderte Demokratisierung. *18

Verweise und Quellen

*1 Acosta, Alberto (2016): Buen Vivir – die Welt aus der Perspektive des Buen Vivir überdenken, abrufbar unter: https://www.degrowth.info/wp-content/uploads/2016/06/DIB_Buen-Vivir_de_.pdf

*2 Angelehnt an das Donut-Modell nach Kate Raworth (2017). Online durch Oxfam zusammengefasst unter: https://www.oxfam.de/ueber-uns/aktuelles/2019-10-28-wirtschaft-alle-donut-kompas

*3 Das Verständnis von Nachhaltigkeit ist orientiert an: Raworth, Kate (2017): Doughnut economies. Seven ways to think like a 21st-century economist.

*4 Die Formulierung einer kritisch-selbstreflexiven, sowie politisierenden BNE ist angelehnt an:

(1) Kehren, Yvonne (2016): Bildung für nachhaltige Entwicklung. Zur Kritik eines pädagogischen Programms, S. 126, 162 f.

(2) UNESCO, General Conference (2019): Framework for the implementation of education for sustainable development (ESD) beyond 2019, Annex II S.4 f., abrufbar unter: https://www.bne-portal.de/sites/default/files/40%20C%2023%20ESD.pdf

*5 Der Ansatz der Partizipation wird in Punkt 7, „Bürgerbeteiligung“, der Revierperspektiven konkretisiert.

*6 Zivilgesellschaftlicher Koordinierungskreis Strukturwandel (2019): Leitlinien Strukturwandel – Revierperspektiven Rheinland – gutes Leben und gute Arbeit, abrufbar unter: https://revierperspektiven-rheinland.de/wp-content/uploads/2019/01/Revierperspektiven-Rheinland_20190201.pdf

*7 Der Fokus einer BNE auf die Entscheidungsträger des privaten Sektors wird ebenfalls durch die UNESCO gefordert: UNESCO, General Conference (2019): Framework for the implementation of education for sustainable development (ESD) beyond 2019, Annex II S.4 f., abrufbar unter: https://www.bne-portal.de/sites/default/files/40%20C%2023%20ESD.pdf

*8 Hiermit sind Orte gemeint, die den Prinzipien einer Nachhaltigen Entwicklung sowie dem Konzept „Revierperspektiven Rheinland – gutes Leben gute Arbeit“ entsprechen und die Transformation somit greifbar machen.

*9 UNESCO (2014): Roadmap for Implementing the Global Action Programme on Education for Sustainable Development, S. 35.

*10 Papst Franziskus (2015): Enzyklika Laudato si

*11 United Nations (2015): Transforming our world: the 2030 Agenda for Sustainable Development,

*12 UNESCO, General Conference (2019): Framework for the implementation of education for sustainable development (ESD) beyond 2019, abrufbar unter: https://www.bne-portal.de/sites/default/files/40%20C%2023%20ESD.pdf

*13 Kommission Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung (2019): Abschlussbericht, S. 117 ff.

*14 Kommission Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung (2019): Abschlussbericht, S. 89ff.

*15 Zukunftsagentur Rheinisches Revier 2018: Eckpunkte eines Wirtschafts- und Strukturprogramms

*16 Dies geht vom Recht auf Reparatur über die Ansiedlung von Pionieren in diesem Bereich bis hin zur Förderung von Repair-Cafés.

*17 Eine Institutionalisierung nach dem Modell einer „Bibliothek der Dinge“ ist hierfür zu schaffen.

*18 Es bedarf einer Ausweitung der ökonomischen Hochschullehre um die alternativen Wirtschaftskonzepte. So soll die weitestgehend einseitige Ausrichtung wirtschaftswissenschaftlicher Theorie ausgeweitet werden. Beispielhaft hierfür steht die Arbeit des Netzwerks Plurale Ökonomik (www.plurale-oekonomik.de).